Interaktives E-Book der Radioonkologie

von Prof. Dr. Hilke Vorwerk (vorwerk@med.uni-marburg.de) Stand: Januar 2023

Sehbahn und Gesichtsfeldausfälle

"Sehbahn" (https://kmed.uni-giessen.de/ilias/goto.php?target=pg_45747_167119) by Prof. Hilke Vorwerk (https://www.youtube.com/channel/UCpBHT7vSwpHdOQdVJ2IYdGA) can be reused under the CC BY-SA license (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/).

Je nachdem wo die Schädigung des Sehnerven, z.B. durch den Tumor oder durch die Strahlentherapie, stattfindet, treten unterschiedliche Gesichtsfeldausfälle auf.

Bsp. 1: Der linke Sehnerv (= Nervus optikus) wird geschädigt => Ausfall des linken Auges.

Bsp. 2: Das Chiasma wird nur ganz links lateral (d.h. äußere Seite) geschädigt => Ausfall des lateralen Bündels des linken Sehnerven. Dieses ist für das Sehen des linken Auges nach medial (d.h. Innenseite) zuständig. => Hemianopsie (= einseitiger Gesichtsfeldausfall) des linken Auges nach medial

Bsp. 3: Der Ausgang des linken Chiasma wird geschädigt => Ausfall des lateralen Bündels des linken Sehnerven und des medialen Bündels des rechten Sehnerven. => Hemianopsie des linken Auges nach medial und Hemianopsie des rechten Auges nach lateral. Oder anders ausgedrückt, der Patient kann mit beiden Augen nur nach links sehen und ist in Richtung rechts auf beiden Augen blind.

Warum ist dies für die Strahlentherapie so wichtig?

Hirntumore im Bereich der Schädelbasis, d.h. dort wo die Nervi optici und das Chiasma liegen, benötigen zum Teil eine hörer Dosis als die Grenzdosis diese beiden Risikoorgane, z.B.
Re-Bestrahlungen mit Infiltration (= Eindringen in biologisches Gewebe) des Chiasma kann dazu führen, dass ich gezielt Teile des Chisamas mit mehr als der Grenzdosis behandle, um eine sinnvolle Dosis am Tumor applizieren zu können.
Voraussetzungen dafür:
(1) Ich muß genau wissen auf welchem Auge der Patient noch wieviel Sehfähigkeit hat
(2) Ich muß jeden Teil des Chiasmas getrennt betrachten, da ein Teil der Bündel hier die Seite kreuzen
(3) In jedem Fall muß ich den Patienten vorher über diese hohe Dosis und das sich daraus ergebende Risiko für Teilblindheit aufklären. Wenn er einwilligt, kann man so einen aggressiven Plan verwirklichen. Möchte der Patient das Risiko nicht eingehen, wird ein neuer Bestrahlungsplan mit Unterdosierung am Tumor und Einhaltung der Grenzen am Risikoorgan erstellt.

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